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Functional Food: Überdosis an Vitaminen in Vitaminpräparaten und Nahrungsmitteln

31 Aug Von in Ernährung | 1 Kommentar
Functional Food: Überdosis an Vitaminen in Vitaminpräparaten und Nahrungsmitteln
 



In unserer heutigen Zeit wird es zunehmend schwerer, eine Trennlinie zwischen konventionellen Nahrungs- und Genussmitteln, Nahrungsergänzungsmitteln, Naturheilstoffen und Threapeutika zu ziehen.


Der ein oder andere hat vielleicht schon einmal von dem Begriff Functional Food gehört. Funcitonal Food, auf deutsch funktionelle Lebensmittel, sind Nahrungsmittel, die mit zusätlichen Inhaltsstoffen (Nahrungsergänzungsmittel) angereichert werden, die laut Werbeaussage einen positiven Effekt auf die Gesundheit haben sollen. Doch Functional Food ist auch eine Gefahr zur Überdosis an Vitamine.

Vor kurzer Zeit habe ich über Die 5 wichtigsten Vitamine für Muskelaufbau und für mehr Leistung beim Training geschrieben. In diesem Artikel möchte ich dennoch zeigen, wie gefährlich eine Überdosis von Vitaminen sein kann und aufzeigen, welche Folgen eine zu hohe Aufnahme von Vitaminen haben kann.

Was ist Functional Food?

Schon die Begriffsdefinition für Functional Food stellt Ernährungswissenschaftler vor Probleme: die des Bundesinstitutes für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) lautet wie folgt: bei Functional Food handele es sich um

“Verzehrgüter, die über ihre Ernährungsfunktion hinaus gesundheitlich bedeutsame, physiologische Parameter langfristig und gezielt beeinflussen sollen”

und ist damit bestenfalls vage.

Also warum eigentlich dieser Artikel über Functional Food? Weil sich zurzeit unter unseren Mitmenschen der Glaube durchzusetzen scheint, nicht die Änderung des Lebensstils entscheide über Fitness und Widerstandskraft, Attraktivität und Stärke, sondern der gezielte Griff in das richtige Supermarktregal bzw. zum richten Nahrungsmittel.

Die Unternehmen der Lebensmittelbranche verfolgen verschiedene Strategien bei Herstellung und Vertrieb von Functional Food.

  • Als negativ bewertete Bestandteile werden durch positiv bewertete ersetzt. Was leider nicht bedeutet, dass die im Volksglauben als negativ bewerteten Bestandteile per se ungesund sind (Stichwort Fleisch).
  • Im Umkehrschluss bedeutet es leider auch nicht, dass die positiv bewerteten tatsächlich gesund sind (Stichwort fettfreie Joghurts, Gummibärchen, etc.). Das alles wird in hübsche Werbung mit attraktiven Singles verpackt und die brave Konsumherde kauft einen ebenso bescheuerten wie überteuerten Trinkjoghurt, der angeblich die Abwehrkräfte stärkt.
  • Stoffe, die üblicherweise nicht im Lebensmittel vorkommen, werden zugesetzt. (Stichwort Vitamine)
  • Bestandteile, denen unerwünschte Effekte nachgesagt werden, werden entfernt
  • Die Konzentration von Substanzen, denen ein positiver Effekt zugeschrieben wird und die das Lebensmittel üblicherweise enthält, wird erhöht. (Stichwort Fruchtsäfte wie Hohes C, seit neuestem sogar EIER mit zusätzlichen essentiellen Fettsäuren)
  • Die Bioverfügbarkeit bestimmter Bestandteile wird verbessert.

Die 4 Gruppen von Functional Food

Es gibt vier Gruppen von Functional Food.

Mit Vitaminen und Mineralstoffen angereicherte Lebensmittel

Die wohl älteste Gruppe, quasi der Urahn des Functional Food sind Getränke mit hoch dosierten Vitaminzusätzen. Am weitesten verbreitet ist die Kombination der Vitamine C und E mit dem Provitamin A (Beta-Carotin).

Damals hatten Untersuchungen gezeigt, dass Menschen, die viel davon im Blut haben, seltener an Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden.
Mitverantwortlich für den Ausbruch solcher Krankheiten sind sogenannte freie Radikale, aggressive Sauerstoffteilchen, die durch UV-Strahlen, Umweltgifte, Zigaretten oder Alkohol entstehen und als Oxidantien im Körper die Zellhüllen, Eiweiße und DNS angreifen.
Die Vitamine A, C und E wirken antioxidativ, können also diese freien Radikale unschädlich machen.
Heutzutage werden noch andere Vitamine zugesetzt, unter anderem Biotin, Niacin und Mineralstoffe wie Magnesium, Eisen oder Selen.

Probiotische Lebensmittel

Probiotische Lebensmittel sollen die Darmflora verbessern. Die Lebensmittel enthalten Mikroorganismen, die besonders widerstandsfähig gegenüber Verdauungssäften sind und die Passage durch den Magen in wesentlich größeren Mengen überstehen als gewöhnliche. Die gängigsten Probiotika sind Hefen und Milchsäurebakterien (alles, was irgendwie XY-Casei heisst und wohl superwissenschaftlich klingen soll… die lustigen Kerlchen mit dem Schild und der Faust aus der Werbung).
Durch regelmäßige Zuführung probiotischer Bakterien verdrängen diese zahlenmäßig im Darm unerwünschte Mikroorganismen wie Clostridien (Prominentester Vertreter: Clostridium tetani, Erreger des Wundstarrkrampfes (Tetanus); mehr unter Wikipedia) oder Fusobakterien (Krankheitserreger, darunter parodontale Erkrankungen und Meningitis) und sollen so die Darmflora im Gleichgewicht halten.

Die gesundheitsfördernden Eigenschaften sind abhängig vom Bakterienstamm, welche unterschiedliche Eigenschaften aufweisen. Als relativ sicher gilt, dass die Bakterienstämme gegen Durchfall helfen und die Verdauung von Milchzucker ankurbeln.
Unsicher (sehr wohlwollend ausgedrückt) ist die viel beworbene Behauptung, sie würden das Immunsystem stärken, vor Darmkrebs schützen oder den Cholesterinspiegel senken können. Bekannteste Beispiele: Trinkjoghurt LC1 (Hersteller nestle, Stamm Lactobacillus johnsonnii La1) oder Actimel (Hersteller Danone, Stamm Lactobacillus casei defensis).

Prebiotische Lebensmittel

Prebiotische Lebensmittel enthalten kurzkettige Kohlenhydrate, die im Dünndarm nicht verdaut werden und daher unverändert in ihrer ursprünglichen molekularen Struktur den Dickdarm erreichen. Dort stehen sie bestimmten Darmbakterien (vor allem Bifidobakterien) als Nährboden zur Verfügung. Während ihres Abbaus entsteht mehr Wasser im Darm, die Folge ist – salopp ausgedrückt – man kann besser kacken, weil der Stuhl weicher wird. Desweiteren sinkt dessen ph-Wert, was die Aufnahme von Kalzium im Darm erleichtert.
Prebiotika kommen in vielen Nahrungspflanzen vor, z.B. Zwiebeln, Artischocken, Chicorée, Spargel, Bananen, Roggen und Weizen.
Für Functional Food, welches prebiotisch sein soll, sind vor allem Oligosaccharide und Inulin wichtig.

Auf die vierte Gruppe, die mit sog. sekundären Pflanzenstoffen angereicherten Lebensmittel, gehe ich nicht ein, da die Bedeutung gegenwärtig noch zu gering ist. Nur ein Bruchteil dieser Substanzen ist erforscht. Gebräuchlich sind bisher größtenteils Phytostanole oder Phytosterole (bspw. in Becel-pro-activ), die Cholesterinaufnahme im Darm hemmen sollen.

Das ist doch alles ganz toll, warum also sich nicht vollknallen mit der “essbaren Medizin”? Dazu komme ich jetzt…

Functional Food und die Überdosis Vitamine

Diese neuartige Riege an Produkten erfordert ein hohes Maß an Vertrauen (oder Dummheit) von Verbraucherseite aus. Denn die gesundheitlichen Wirkungen, wie sie die Werbung der Hersteller glauben machen will, sind vielfach nicht gut abgesichert oder gar im rein spekulativen Bereich, der tatsächliche Nutzen nur schwer zu beurteilen.

Selbst elementarste Fragen sind ungeklärt:

  • Wieviel sollte ein Gesunder zu sich nehmen, damit die Substanzen wirken?
  • Vertragen beide Geschlechter die gleiche Menge?
  • Muss der Verzehr auf individuelle Lebenssituationen (Krankheit, Schwangerschaft, Stillzeit, Alter, körperliche Höchstleistung) angepasst werden?
  • Ab welcher Menge werden sie schädlich?
  • Welche Wechselwirkungen gibt es mit anderen Stoffen?

Als Beispiel, wie fatal Verallgemeinerungen auf diesem Gebiet sein können und wie gefährlich eine Überdosis an Vitamine sein kann, müssen nun die allseits wohlbekannten Antioxidantien (Vitamine A,C,E) herhalten.

Functional Food, Vitamine und Mineralstoffe

In den 1980er Jahren galten die Vitamine A, C und E als Lebensversicherung. Man hielt sie für die perfekte Barriere gegen Infekte und Krebs.

Doch im Laufe der Jahre machte die Euphorie der Ernüchterung Platz. Verschiedene Untersuchungen hatten gezeigt, dass die als harmlos geltenden Vitamine, in hohen Dosen konsumiert, entweder nicht wie erhofft wirken oder sogar Schäden anrichten können.

Der bis heute verbreitete Mythos, Vitamine könne man nie genug bekommen, fiel in der Mitte der 90er mit drei groß angelegten Interventionsstudien zu Beta-Carotin.

In der sogenannten Finnland-Studie nahmen 30.000 rauchende Männer fünf bis acht Jahre lang täglich entweder 50 mg Vitamin E, 20 Milligramm Beta-Carotin, beides oder ein Placebo ein. Während Vitamin E das Risiko nicht erhöhte, stieg die Lungenkrebsrate in der Beta-Carotin-Gruppe nach 18 Monaten schon beträchtlich. Am Ende erkrankten weniger Männer an Krebs, die “nur” geraucht, aber kein Beta-Carotin zu sich genommen hatten.

Die Physicians Health Study (mit 22.000 Probanden durchgeführt), ergab keinerlei Nutzen für zusätzliches Beta-Carotin.

Die dritte Studie, sog. CARET-Studie, untermauerte das Ergebnis der Finnland-Studie. 18.000 Raucher und Asbestarbeiter hatten durchschnittlich 4 Jahre lang täglich 30 mg Beta-Carotin und 25.000 IU Vitamin A beziehungsweise ein Placebo geschluckt. Die Lungenkrebsrate stieg durch die Vitaminpräparate um 28 Prozent, die Sterblichkeitsrate um 46 Prozent. Die Studie musste 21 Monate vor dem geplanten Ende abgebrochen werden.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt sogar vor Lebensmitteln, die mit Carotinoiden versetzt sind, beispielsweise Fruchtsaftgetränken. Laut der Behörde sollen Lebensmittel des allgemeinen und täglichen Verzehrs nicht mit Beta-Carotin angereichert werden.

Aktuelle Entwicklungen und Erkenntnisse zum Functional Food

Nach heutigem Wissensstand stellt die Überdosis an Vitamine das größte Problem im Umgang mit künstlich zugesetzten Vitaminen dar. Während ein sich von unversetztem Essen ernährender Mensch kaum eine Überdosis an Vitaminen und Mineralstoffen aufnehmen kann (höchstens denkbar bei extremen Mengen von Leber, die sehr viel Vitamin A enthält), kann das bei Essern, die gerne und häufig zu funktionellen Lebensmitteln und Vitaminpillen greifen, ganz anders aussehen.

Im Herbst 2005 wurden die Ergebnisse einer 130.000 Probanden umfassenden Metaanalyse veröffentlicht, die zeigte, dass die regelmäßige Einnahme von hohen Mengen an Vitamin E bei älteren Menschen langfristig das Sterberisiko erhöht. Was so bemerkenswert ist, weil gerade Vitamin E einen Ruf als Jungbrunnen genießt, es soll die geistige Leistungsfähigkeit ankurbeln und vor Krebs, Morbus Alzheimer und Herzerkrankungen schützen. Das mag stimmen – allerdings nur in der empfohlenen Menge.

Die Überschreitung des Schwellenwertes kann empfindliche gesundheitliche Schäden nach sich ziehen.

In der Regel halten sich die Hersteller zwar an die Empfehlungen der Fachgesellschaften. Jedoch in der Summe der Lebensmittel, die ein Functional Food Verzehrer täglich zu sich nimmt, wird diese Höchstmenge oft mehrfach überschritten!

Verfechter von Vitamindrinks u. Co. versichern zwar, ein Zuviel könne nicht schaden, da die wasserlöslichen Vitamine, falls im Überschuss vorhanden, über Harn und Stuhl ausgeschieden werden. Obwohl der Körper sie tatsächlich nicht speichern kann, sieht die Wahrheit leider etwas anders aus.

Man weiss, dass eine extrem erhöhte Dosis von B1 zu einem Schock führen kann, zuviel B6 im Laborversuch die Leber von Ratten schädigte, zu viel Niacin zu Übelkeit führt, zu viel Vitamin C eine Magenschleimhautentzündung nach sich zieht, usw.

Kniffliger wird die Angelegenheit noch dadurch, dass durch die Überdosierung eines Vitamins der Bedarf an einem anderen steigen kann und so zusätzlich noch eine Mangelsituation hervorgerufen werden kann.

Letztlich unterscheiden sich Vitamine noch gravierend hinsichtlich der tolerierten Überdosierung.

  • Thiamin, Riboflavin, Pantothensäure, Biotin, Cobalamin und Ascorbinsäure und fettlösliches Vitamin E scheint auch das hundertfache der Tagesdosis unbedenklich zu sein.
  • Bei den Vitaminen Pyridoxin und Niacin ist um das 50fache tolerabel.
  • Fettlösliche Vitamine wie A und D haben hingegen einen viel engeren Sicherheitsbereich, maximal bis zum fünffachen (!) der empfohlenen Tagesdosis.

Als wenn dies noch nicht genug Probleme wären:

Lebensmittelanalytiker finden immer wieder überdosierte Vitaminmengen, zum Beispiel in Frühstücksflocken. Stiftung Warentest hatte zum Beispiel bei Cornflakes eine Überdosierung von bis zu 50% entdeckt.In einer anderen Untersuchung stellten Tester fest, dass die Flakes eine bis zu dreifache Menge an Vitaminen enthielten, wie auf der Verpackung angegeben!

In verschiedenen Getreideprodukten befand sich 50% mehr Vitamin B1 als die Packungsangabe lautete, in Süßwaren 25% mehr, Folsäure in Milchmischgetränken (z.B. Müllermilch, o.ä.) sogar 175% mehr als angegeben!

Der Grund ist einfach: weder natürliche noch künstliche Vitamine sind unvergänglich. Sauerstoff, Licht, Wärme, Feuchtigkeit… das alles setzt ihnen zu. Um zu erreichen, dass das Produkt bis zum Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums so viele Vitamine enthält, wie auf der Verpackung zu lesen ist, wird eben mehr hineingepumpt. Zur Sicherheit. Allerdings zur Sicherheit der Herstellerfirma vor Anwälten, nicht zur Sicherheit des Konsumenten vor Krankheit.

Wenn man sich mit diesem Wissen nun eine Packung der beliebten Vitamin-Brausetabletten (gleich welchen Fabrikats) anschaut, so wird einem gleich ganz anders, da die meisten bereits laut Angabe die 100% der Tagesdosis komplett abdecken. Und eine Weile haltbar sind.

Fazit zum Functional Food und Vitaminpräparate

Wie alles andere sind auch Vitamine und Spurenelemente (insbesondere das beim Volk glorifizierte Eisen ist überdosiert sehr gefährlich) mit Vorsicht zu genießen.

Wer auf eine gesunde Ernährung achten will und sich mit den vielbeschworenen Eigenschaften der Vitamine, Probiotika, Prebiotika, usw. stärken und schützen will, sollte dies am besten mit natürlichen, unveränderten Nahrungsmitteln tun. Erstens ist nur durch die “natürliche Umgebung” des Obst- oder Gemüseinneren gewährleistet, dass die richtige Zusammensetzung zur Wirksamkeit vorhanden ist und zweitens ist man vollkommen sicher vor einer Überdosierung (man müsste schon einen 40-Tonner voll Paprikas aufessen, um eine Überdosierung an in Paprika enthaltenen Vitaminen zu bekommen).

Sehr gerne würde ich andere Meinungen bzw. Kommentare zum Thema Functional Food und Vitaminpräparate hören. Nimmst Du Vitaminpräparate zu dir?

Viel Spaß und Erfolg beim Training!

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